Wushu (allgemein)

WUSHU bedeutet wörtlich übersetzt „Kampfkunst“. Es ist der Oberbegriff für alle Kampfstile Chinas, so wie BUDO als Bezeichnung für alle japanischen Kampfkünste verwendet wird.

Mit WUSHU bezeichnet man im allgemeinen die sportliche Variante des traditionellen KUNG FU. Denn in China ist aus den altüberlieferten Selbstverteidigungskünsten inzwischen ein moderner Sport geworden, der landesweit einheitlich an Schulen und Universitäten unterrichtet wird. Jede Provinz unterhält zudem ein eigenes Profi-Team, und es werden regelmäßig (ähnlich unserer Fußball-Bundesliga) nationale Profi-Meisterschaften veranstaltet.

Bei den Asien-Spielen ist WUSHU bereits seit langem fester Bestandteil des Wettkampfprogramms. In diesem Jahr bei den olympischen Spielen in Peking, wird ein vom IOC offiziell anerkanntes WUSHU-Turnier stattfinden.

Doch neben all diesen modernen sportlichen Entwicklungen ist WUSHU traditioneller Bestandteil der chinesischen Kultur. Sein Ursprung ist eng mit den Philosophien des Taoismus und Buddhismus verknüpft. Die Einflüsse des WUSHU wirken ebenso in der klassischen Peking-Oper wie in modernen Action-Filmen „Made in Hongkong“. Delegationen der Shaolin-Mönche bereisen die ganze Welt und begeistern das Publikum mit spektakulären WUSHU-Darbietungen.

Die chinesischen Kampfkünste des WUSHU lassen sich zunächst einmal in „harte“ und „weiche“ Stile unterteilen. Mit den „harten“ Stilen sind vor allem die Stile gemeint, die auf das buddhistische Shaolin-Boxen zurückgehen. Die Shaolin-Schule teilt sich noch einmal in eine nördliche und eine südliche Richtung. Der „harten“ Schule gegenüber steht die taoistische Wudang-Schule. Von ihren sogenannten „weichen“ Stilen hat insbesondere das Tai Ji weltweite Popularität erlangt.

WUSHU als Sport

Inzwischen hat man in China für die bekanntesten Stile ein verbindliches Trainings- und Wettkampfsystem erarbeitet. Im Breiten- und Leistungssport trainiert man – wie in anderen Kampfsportarten auch – Formen und Freikampf.

Der Formenbereich (Taolu) konzentriert sich auf die sogenannten Standarddisziplinen:

  1. waffenlos:
    • Chang Quan (Langfaust, „harter“ nördlicher Stil)
    • Nan Quan (Südfaust, „harter“ südlicher Stil)
    • Tai Ji Quan („weicher“ Stil)
  2. Kurzwaffen:
    • Dao Shu (Säbel, nördlicher Stil)
    • Nan Dao (Säbel, südlicher Stil)
    • Jian Shu (Schwert)
  3. Langwaffen:
    • Gun Shu (Stock, nördlicher Stil)
    • Nan Gun (Stock, südlicher Stil)
    • Qiang Shu (Speer)

Zusätzlich können auch verschiedene traditionelle Stile ausgeübt werden, wie z. B. „Tang Lang Quan“ (Gottesanbeterinnen-Stil) oder „Zui Quan“ (Betrunkenen-Stil). Darüber hinaus gibt es Partnerformen, bei denen mehrere Sportler Kampfchoreographien vorführen.

Beim chinesischen Freikampf San Ta wird üblicherweise mit Vollkontakt gekämpft (allerdings hat man für europäische Verhältnisse zusätzlich eine unverbindliche Leichtkontakt-Variante eingeführt).

Vorschrift ist eine Schutzausrüstung bestehend aus Kopfschutz, Zahnschutz, Körperweste, Boxhandschuhen, Tiefschutz und Spann-/Schienbeinschützern. Gekämpft wird auf einer Bühne, drei Runden á zwei Minuten. Erlaubt sind alle Arten von Tritten, Schlägen, Fegern und Würfen. Untersagt sind Ellenbogen- und Knietechniken, Schläge in den Unterleib und Angriffe zum Rücken.